Der Zauberer von Oz 9

Der Zauberer von Oz

Am Sonntag, den 12. April 2015 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Mussolini, der faschistische Held der amerikanischen Bank - und Industriewelt

Italien als Mit-Siegermacht der Entente erhielt nach der Machtübernahme Mussolinis sofort und reichlich amerikanische Kredite über die Bank Morgen in New York, die auch den ersten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten über Kredite finanziert hatte. Die Banker waren fasziniert von dem neuen politischen Führer, der die Massen mit Reden und öffentlichkeitswirksamen Inszenierungen faschistischer Macht in den Bann zog und so die Interessen der Kapitalanleger schützte. Der Gewogenheit der amerikanischen Finanz- und Wirtschaftswelt mag eine kleine Geste nachgeholfen haben, als Mussolini einigen amerikanischen Großbanken durch den Aufkauf von Aktien einer vor dem Konkurs stehenden US-Eisenbahngesellschaft aus der Klemme half.

In den Vereinigten Staaten lenkte inzwischen der in der Geschäftswelt als links geltende demokratische Präsident Franklin Delano Roosevelt die Geschicke des Landes. In Industrie- wie Bankenkreisen war er nicht sonderlich gelitten. Man verdächtigte ihn sozialistischer Tendenzen. Daher dachten einige Spitzenkräfte der Wirtschafts- und Bankenwelt auch über einen Marsch faschistisch gestimmter Massen gen Washington nach, der dem Marsch Mussolinis auf Rom gleichen und die Rooseveltsche Administration per Putsch aus dem Amt jagen sollte. Dazu war Smedley Butler, hoch dekorierter, inzwischen pensionierte Generalmajor der Marines, als Führer ausersehen, der eine Privattruppe aus 500 000 Veteranen der amerikanischen Armee mobilisieren sollte. Der hohe Militär lehnte das Ansinnen letztlich dann doch ab und stellte sich der Öffentlichkeit. Der amerikanische Kongress untersuchte den Vorgang, ließ die Aufklärung jedoch schnell wieder fallen und die Unterlagen ohne große öffentliche Erregung in den Archiven verschwinden. Dies wiederum wird unter anderem dem Umstand zugeschrieben, dass ein nicht geringer Teil der einflussreichsten, wohlhabendsten Familien und Unternehmen Amerikas unter den Sponsoren des Putsches zu finden waren, wie die Rockefellers, Mellons, Morgans, Duponts, dazu Unternehmen wie Remington, Anaconda, Bethlehem Steel und Goodyear, Maxwell und Heinz. Einige dieser Leute finden wir bei der Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem deutsch-österreichischen Diktator Hitler wieder. Chefinitiator des Marsches auf Washington war der Vater beziehungsweise Großvater zweier amerikanischer Präsidenten: Prescott Bush. Durch seine Bank lief die Finanzierung des Abenteuers.

Die Sympathie der amerikanischen Geschäftswelt für Mussolini, des ersten faschistischen Diktators Europas, ging soweit, dass einem die Verbrechen des Regimes kritisierenden italienischen Journalisten die Aufenthaltserlaubnis entzogen wurde. Die Einwanderungsbehörde verwies ihn des Landes, weil er in amerikanischen Medien über die Jagd der Faschisten auf Andersdenkende, die Ausschaltung der Opposition und die Manipulation der Massen in Italien berichtet hatte. Von der amerikanischen Geschäfts- und Finanzwelt wurde Mussolini öffentlich bei allen denkbaren Anlässen als nachzuahmendes Exemplar eines begnadeten Politikers gefeiert. Das galt nicht zuletzt nach der Weltwirtschaftskrise 1928/29, als in den USA Massenarbeitslosigkeit und Verzweiflung herrschten und auch dort nach neuen politischen Ansätzen gesucht wurde.

Andreas von Bühlow, Die deutschen Katastrophen, Kopp Verlag Rottenburg 2015 S. 172, 173.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  

 


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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