Der Zauberer von Oz 5

Der Zauberer von Oz

Am Sonntag, den 7. Dezember 2014 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden.

Seminarraum 1. Etage

"Wegen der Ungerechtigkeiten im Steuersystem wurde verschiedentlich vor Gericht gegen die Abgabenordnung geklagt. 1984 recherchierte der Steuerprotestler Bill Benson das ganze Jahr über in den Archiven einiger Landeshauptstädte, um herauszufinden ob die Bundesstaaten 1913 den 16. Verfassungszusatz ordnungsgemäß ratifiziert hatten. Er fand heraus, dass von den 38 Bundesstaaten, die diesen Zusatz angeblich ratifiziert hatten, 33 den Text verändert und dabei etwas anderes hineingeschrieben hatten, als vom Kongress verabschiedet worden war - doch eine derartige Macht haben die Bundesstaaten gar nicht. Laut Benson wurde der 16. Verfassungszusatz nur in 2 Bundesstaaten ordnungsgemäß ratifiziert. Er versuchte, sich mit diesem Argument in einem Prozess wegen Steuerhinterziehung zu verteidigen, hatte aber keinen Erfolg damit und musste einige Zeit im Gefängnis verbringen. Das hat aber spätere Steuerprotestler nicht davon abgehalten, das Gleiche wieder zu versuchen. 1989 hat das Bundesgericht im 7. Bezirk erneut diese Argumentation verworfen, aber nicht, weil das Gericht die Fakten anzweifelte, sondern weil es zu dem Schluss kam, dass Außenminister Philander Knox derartige Unregelmäßigkeiten einkalkuliert hatte, als er 1913 diesen Verfassungszusatz für angenommen erklärte. Gegen diese Entscheidung von Knox, so das Gericht, "ist jetzt kein weiterer Einspruch mehr möglich."

Wer war Philander Knox?

Es ist keine große Überraschung, dass Philander Knox für die Robber Barons als Mann hinter den Kulissen agierte. Er war Rechtsanwalt und wurde als Rechtsbeistand von Multimillionären selbst Multimillionär. 1894 bewahrte er Andrew Carnegie vor der Strafverfolgung und einem Zivilprozess, als heraus kam, dass Carnegie die US-Marine mit der Lieferung minderwertiger Panzerplatten für US Kriegsschiffe betrogen hatte. Knox rettete Carnegie erneut, als der Präsident der Eisenbahngesellschaft von Pennsylvania vor Gericht aussagte, dass Carnegie von dieser Gesellschaft regelmäßig illegale Schmiergelder erhalten hatte. Dann bewahrte Knox seinen Studienfreund William McKinley vor dem finanziellen Ruin, bevor McKinley die Präsidentschaftswahlen von 1896 gewann. 1899 bot Präsident McKinley Knox den Posten des US Justizministers an, doch Knox lehnte ab. Schließlich hatte er damals alle Hände voll zu tun, um den größten Mischkonzern der ganzen Geschichte aufzubauen: Die Fusion der Eisenbahn-, Öl-, Kohle-, Eisen- und Stahlinteressen von Carnegie, J. P. Morgan, Rockefeller und anderen Robber Barons zu dem Konzern US Steel. Nach Abschluss dieser Fusion der gesamten US-Stahlindustrie nahm Knox das Angebot von Präsident McKinley an, obwohl es dagegen heftigen Widerstand gab. Auf Grund seiner Ernennung zum US-Justizminister konnte er die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen die Robber Barons in Zusammenhang mit den Entflechtungsgesetzen (antitrust law) leiten - also gegen die selben Leute, denen er seine Karriere und sein persönliches Vermögen verdankte. Als es zu heftigen öffentlichen Protesten gegen die Fusion der US-Stahlindustrie kam, erklärte Knox nur, er habe nichts gewusst und könne auch nichts dagegen tun; damit kam US-Steel ungeschoren davon.

Als McKinley 1901 ermordet wurde, blieb Knox auch unter Teddy Roosevelt Justizminister und entwickelte Bundesstatuten, die seinen reichen und mächtigen Freunden noch mehr Macht und auch die Kontrolle über den zwischenstaatlichen Handel verschafften. Vertreter des von ihm geschmiedeten Mischkonzerns saßen schließlich in den Regierungsbehörden und -ausschüssen, die Tarife festsetzten und den Wettbewerb bei den Handelsbeschränkungen eliminierten. Präsident Taft ernannte Knox 1909 zum Außenminister, also in der Zeit, als Senator Aldrich den 16. Verfassungszusatz in den Kongress einbrachte und für dringlich erklärte. Dieser Zusatz wurde kurz vor Knox Rücktritt als Außenminister durch den Kongress gepeitscht. Das mag erklären, warum Knox bereit war, einige Unregelmäßigkeiten zu übersehen. Hätte er diese Angelegenheit seinem Nachfolger überlassen, hätte niemand sagen können, wie die Sache ausging."

Ellen Hodgson Brown: "Der Dollar Crash" Kopp Verlag Rottenburg 2008 S. 172 bis 173.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Später Ausbildung zum Anlageberater und Tätigkeit in der privaten Wirtschaft. Heute zugelassen als selbstständiger Finanzdienstleister für alle Sparten bei der IHK-Darmstadt (Registernummer: D – LFXZ 5 X8DP – 83). Außerdem Studien in Kernchemie (frühere TH-Darmstadt heute TU) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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