Der Zauberer von Oz 10

Der Zauberer von Oz

Am Sonntag, den 17. Mai 2015 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Wucherkredite aus Phantomgeld

"Dass ein Kreditgeber jeden Zinssatz, den der Markt hergibt, verlangen darf, scheint durchaus gerechtfertigt, da angeblich der Zeitwert des Geldes berücksichtigt wird. Kreditgeber dürfen angeblich diese Gebühren erheben, weil sie aus Gegenleistung dafür eine gewisse Zeit auf den Gebrauch ihres Geldes verzichten. Das Argument wäre vielleicht angemessen, wenn die Verleiher tatsächlich ihr eigenes Geld verliehen. Aber bei den Schulden von Kreditkartenunternehmen und anderen Geschäftsbanken ist das nicht der Fall. Sie verleihen noch nicht einmal das Geld ihrer Anleger. Sie verleihen lediglich den eigenen Kredit des Kreditnehmers. Das ist bekannt, weil die Chicago Fed in Modern Money Mechanics schreibt.:

"Natürlich geben (Banken) keine Kredite mit dem Geld, das sie als Einlagen akzeptieren. Denn wenn sie das täten, würde kein zusätzliches Geld geschöpft. Wenn Banken Kredite ausgeben, dann akzeptieren sie Schuldverschreibungen im Austausch gegen Kredite die auf den Girokonten der Kreditnehmer gutgeschrieben werden. Kredite (Aktiva) und Einlagen (Passiva) steigen beide (im gleichen Ausmaß)."

Und so funktioniert das Kreditkartenschema: Wenn man als Käufer einen Kreditkartenabschnitt unterschreibt, schafft man ein "übertragbares" Wertpapier. Ein übertragbares Wertpapier ist jedes Stück Papier, das unterzeichnet und in Geld konvertierbar ist oder als Geld benutzt werden kann. Der Einzelhändler nimmt dieses übertragbare Wertpapier in Empfang und zahlt es auf sein Geschäftskonto ein, das jeder Geschäftsmann, der Kredite akzeptiert, unterhalten muss. Dieses Konto steigt um den auf dem Schein angegebenen Betrag, was beweist, das der Händler bezahlt worden ist. Der Schein bzw. Abschnitt wird dann an das Kreditkartenunternehmen weiter gegeben (Visa, MasterCard etc.), das die Forderungen bündelt und an eine Bank schickt. Die Bank schickt dem Käufer dann eine Zahlungsaufforderung, die dieser per Scheck (oder Überweisung) bezahlt, so dass dessen Konto bei seiner Bank belastet wird. Zu keinem Zeitpunkt hat die Bank ihr Geld oder das ihrer Anlege verliehen; sondern der Schein des Kunden (ein übertragbares Wertpapier) ist zum Anlagewert geworden, gegen den ein Kredit ausgegeben worden ist. Die Bank hat lediglich das Geld der Schuldverschreibung oder das Rückzahlungsversprechen des Kunden monetisiert.

Wenn Sie jemanden Ihr eigenes Geld leihen, dann sinkt Ihr Guthaben um den gleichen Betrag, um den das Guthaben des Borgenden steigt. Wenn aber eine Bank an Sie Geld verleiht, dann steigt das Guthaben der Bank. Auch die Passivposten steigen, weil Ihre Einlagen als Passiva gerechnet werden. Doch in Wirklichkeit ist das Geld gar nicht vorhanden. Es ist bloß ein Passivposten - etwas, das dem Anleger des Geldes geschuldet ist. Die Bank verwandelt ihr Zahlungsversprechen zu einem Aktiv- und Passivposten gleichzeitig und gleicht ihre Bücher aus, ohne Ihnen irgendein vorher existierendes Geld zu übertragen.

Die Schuldenfallenspirale, die finanziell in Bedrängnis geratenen Menschen Wucherzinsen für etwas aufbürdet, das der Schuldner nie borgen musste, ist ein Schwindel gegenüber den Kreditnehmern. 2006 beliefen sich allein  bei Kreditkarten die Profite der Kreditgeber für Zinsen und Säumnisgebühren auf 90 Milliarden Dollar."

Ellen Hodgson Brown "Der Dollar Crash", Kopp Verlag Rottenburg 2008 S. 339, 340.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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