Der Mythos vom Geld 8

Der Mythos vom Geld

Am Sonntag, den 22. Juni 2014 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden.

Seminarraum 1. Etage

"Schachts Enthüllung"

Mit der Schilderung seiner Bemühungen um eine Stabilisierung der Rentenmark deckte Schacht die privaten Mechanismen auf, die zur Hyperinflation geführt hatten. Er war offensichtlich sehr verärgert darüber, dass die Spekulanten ihre Angriffe auf die neue Rentenmark-Währung fortsetzten: "Die Spekulanten aber glaubten nicht, dass die Reichsbank auf die Dauer imstande sein würde, den Kurs zu halten, und kauften Dollar über Dollar auf Termin zu sehr viel höheren Kursen. Gegen Ende November erreichte der Dollar auf dem freien Markt der Kölner Börse einen Kurs von 12 Billionen. Diese Spekulation war nicht nur wirtschaftsfeindlich, sondern auch dumm. In den Jahren vorher hatte man derartige Spekulationen betrieben entweder mit Krediten, die die Reichsbank reichlich gab, oder mit Notgeld, das man selber druckte und in Reichsmarknoten umtauschte.

Jetzt aber trat dreierlei ein. Das Notgeld hatte seinen Wert verloren. Die Möglichkeit des Umtauschs in Reichsmark bestand nicht mehr. Die früher reichlich fließenden Kredite wurden nicht mehr gegeben, und die Rentenmark war im Ausland nicht mehr verwendbar. Unter die Bestimmungen über die Rentenmark war eine solche aufgenommen worden, die die Abgabe von Rentenmark an Ausländer verbot. Daher konnten die Spekulanten die gekauften Dollars bei Termin nicht bezahlen. Sie mussten die gekauften Dollars wieder abstoßen, die ihnen die Reichsbank nur zum Kurs von 4,2 Billionen abnahm. Die Verlauste der Spekulanten waren beträchtlich.

Schacht sagt hier (mit Krediten die die Reichsbank reichlich gab) selber, dass die exzessive Spekulation gegen die Mark durch großzügige Darlehen der privaten Reichsbank finanziert worden war. Die private Reichsbank stellte die Einschusssätze bereit, ohne die eine Spekulation und ein Angriff gegen die Mark nicht möglich gewesen wären.

Mit dieser Feststellung widersprach Schacht aber auch seinen früheren Erklärungen, denn man kann die großzügige der Kreditvergabe der Reichsbank an Anti-Mark-Spekulanten nicht als Versuch werten, dem Staat aus seiner schwierigen Lage herauszuhelfen. Das Gegenteil ist der Fall. Schacht war ein kluger Kopf und er wollte richtig verstanden werden. Er wartete, bis er 1966 Magie des Geldes schrieb. In seinem früheren Buch, die Stabilisierung der Mark (1927), diskutierte er zwar die inflationäre Preistreiberei, erkannte jedoch noch nicht klar, dass die private Reichsbank diese Spekulation finanzierte und dadurch dem Leerverkauf der Mark überhaupt erst Tür und Tor öffnete.

Es war also eine Zentralbank im Privatbesitz und unter privater Aufsicht, die private Spekulanten Darlehen gewährte und sie so in die Lage versetzte, gegen die Währung der Nation zu spekulieren. Gewiss war die Währung auch noch mit anderen Problemen konfrontiert - doch eine solche Spekulation musste die unumkehrbare Talfahrt der Mark auslösen. Bald begann eine andauernde Panik, und nicht nur die Spekulanten, sondern die ganze Bevölkerung, setzte alles daran, ihre Reichsmark abzustoßen, was die Inflation weiter anheizte.

Warum gab der Bankier Schacht nach 44 Jahren diese Einzelheiten preis, wo er sie doch längst vergessen haben könnte? Der Grund hierfür ist wahrscheinlich der, dass sein Gerechtigkeitssinn von der Vernichtung er Mark, an der Teile der deutschen Wirtschaft mitschuldig waren, zutiefst verletzt wurde.

Stephen Zarlenga, der Mythos vom Geld, 2. Auflage im Conzett-Oesch-Verlag-Zürich, 2008, S. 461 - 462

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Später Ausbildung zum Anlageberater und Tätigkeit in der privaten Wirtschaft. Heute zugelassen als selbstständiger Finanzdienstleister für alle Sparten bei der IHK-Darmstadt (Registernummer: D – LFXZ 5 X8DP – 83). Außerdem Studien in Kernchemie (frühere TH-Darmstadt heute TU) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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