Albert Einstein 40

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 2. Septembr 2018 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Der nachstehende, mehr analysierende Kommentar stammt von 1935 (das Manuskript trägt den Vermerk „unveröffentlicht“)

Ein bei aller Tragik groteskes Schauspiel ist es, das sich im Herzen von Europa abspielt, Deutschland zu ewiger Schande und auch recht unrühmlich für die Gemeinschaft der Nationen, welche sich selber als „Kulturmenschheit“ bezeichnet.

Das deutsche Volk ist durch Jahrhunderte hindurch von einer sich ewig erneuernden Schar von Schulmeistern und Unteroffizieren sowohl zu emsiger Arbeit und mancherlei Wissen als auch zu sklavischer Unterwürfigkeit und zu militärischem Drill und Grausamkeit erzogen worden. Die republikanisch-demokratische Verfassung der Nachkriegszeit passte zu diesem Volke etwa wie der Anzug des korpulenten Onkels für den kleinen Hans. Dazu kamen dann die Inflation und die bösen Krisenjahre, sodass jeder Mensch in Furcht und Spannung lebte.

Da erschien in Hitler einer von den Armen im Geiste, unbrauchbar für jegliche Arbeit, erfüllt von Neid und Erbitterung gegen alle, die von Natur und Schicksal mehr begünstigt erschienen als er. Er war der Sohn einer Kleinbürger-Familie mit gerade genug Klassendünkel, um auch die um einen vernünftigen Ausgleich der Lebensbedingungen kämpfenden Arbeiter zu hassen. Am meisten aber hasste er Geist und Bildung, die ihm am unerbittlichsten versagten Gaben. In seiner verzweifelten Lage fand er heraus, dass seine verworrenen, von Hass getragenen Reden stürmischen Anklang fanden bei den ach so zahlreichen, deren Lage und Gesinnung der seinigen ähnlich waren. Solche verzweifelten Existenzen las er auf der Straße und im Wirtshause auf, scharte sie um sich. So wurde er zum Politiker.

Was ihn aber zum „Führer“ prädestinierte, war sein bitterer Hass gegen das Ausland und gegen eine wehrlose Minorität, die deutschen Juden. Diese hasste er besonders als die Vertreter einer ihm unheimlichen Geistigkeit, die er nicht ganz mit Unrecht als undeutsch empfand.

Unablässige Hassreden gegen diese beiden Arten von „Feinden“ eroberten die Massen, denen er glänzenden Sieg und ein goldenes Zeitalter versprach. Auch nützte er weidlich den gewohnheitsmäßigen Drang der seit Jahrhunderten militärisch gedrillten Massen zum Marschieren, blinden Gehorsam, Befehlen zur Menschenschinderei für seine Zwecke aus. So wurde er zum „Führer“.

Geld floss ihm reichlich zu, nicht zuletzt von der besitzenden Klasse, die in ihm ein Werkzeug sah zur Verhinderung der in der Zeit der Republik in gewissem Umfange begonnenen sozialen und wirtschaftlichen Befreiung des Volkes. Dem Volk aber schmeichelte er durch jene romantischen Phrasen der Vaterländerei, an die es von der Vorkriegszeit her gewöhnt war, sowie durch jenen Schwindel von der Überlegenheit einer von den Antisemiten zu ihren besonderen Zwecken erfundenen „arischen“, beziehungsweise „nordischen“ Rasse. Die Verworrenheit seines Geistes macht es mir unmöglich zu beurteilen, bis zu welchem Grade er selbst an den Unsinn glaubte, den er unablässig predigte. Die aber, welche sich um ihn scharten und sich durch die Woge nach oben treiben ließen, waren meist verworfene Zyniker, die sich der Verlogenheit ihrer Mittel voll bewusst waren.

Albert Einstein: Über den Frieden, Hebrew University of Jerusalem, Israel 2004. Abraham Melzer Verlag Neu-Isenburg 2004. Sonderausgabe für Parkland Verlag Köln 2004. S. 279, 280.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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