Albert Einstein 33

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 18. März 2018 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Bertrand Russell ermächtigte Einstein in einer kurzen Mitteilung, seinen Brief an The New York Times in jeder Form zu verbreiten. Einsteins Antwort an Russell vom 28. Juni 1953:

„Sie haben durch Ihren feinen Brief der guten Sache einen guten Dienst geleistet. Die Intellektuellen bis zu den jüngsten Studenten sind völlig eingeschüchtert. Außer Ihnen hat sich kaum ein „Prominenter“ energisch für die Bekämpfung des Unfugs eingesetzt, der von den Politikern getrieben wird. Diese fühlen sich deshalb so stark, weil sie der Masse erfolgreich eingeredet haben, dass die Russen und die hiesigen Kommunisten das Vaterland in Gefahr gebracht hätten. Je toller sie es treiben, desto sicherer glauben sie, von der irregeleiteten Menge wiedergewählt zu werden. Damit hängt es auch zusammen, dass Eisenhower nicht gewagt hat, die beiden Rosenbergs zu begnadigen, obwohl er wusste, wie sehr diese Hinrichtung das Ansehen Amerikas im Ausland schädigen würde.“

Auch später sprach Einstein sich wiederholt über die Rolle einer jeden einzelnen Person in der modernen Gesellschaft aus. Besonders interessant ist seine Erklärung an das Emergency Civil Liberties Committee (Notstandskomitee für Bürgerrechte), die seine in dem Brief für Frauenglass dargelegten grundsätzlichen Anschauungen ausführlicher entwickelt.

Anlässlich des 75. Geburtstags Einsteins (14. März 1954) hielt das Komitee am Vorabend in Princeton eine Tagung unter dem Thema „Die Bedeutung der akademischen Freiheit“. Einstein nahm daran nicht teil. Sogar einen Blumengruß lehnte er mit den Worten ab: „Sie dürfen mir Blumen zur Tür bringen, sobald die letzte Hexenverfolgung zu Ende ist, aber nicht vorher.“ Das Komitee richtete an Einstein eine Reihe von Fragen, die er in den folgenden viel zitierten Äußerungen beantwortete:

Frage: Was ist das Wesen der akademischen Freiheit? Warum ist sie zur Erforschung der Wahrheit nötig?

Einstein: Unter „Akademischer Freiheit“ verstehe ich das Recht, nach der Wahrheit zu suchen und das für wahr gehaltene zu publizieren und zu lehren. Mit diesem Recht ist auch eine Pflicht verbunden, nämlich nicht einen Teil des als wahr erkannten zu verschweigen. Es ist klar, dass jede Einschränkung der akademischen Freiheit dahin wirkt, die Verbreitung der Erkenntnis unter den Menschen zu behindern und dadurch vernünftiges Urteilen und Handeln zu erschweren.

Frage: Welche Bedrohungen der akademischen Freiheit sehen Sie zurzeit?

Einstein: Die Bedrohung der akademischen Freiheit in unserer Zeit liegt darin, dass unter dem Vorwande, dass das Land von außen bedroht sei, Lehrfreiheit, gegenseitiger Austausch von Meinungen und freie Publizistik beeinträchtigt, beziehungsweise unterdrückt werden. Dies geschieht durch Schaffung einer Situation, in der sich jeder in seiner ökonomischen Situation bedroht fühlt. Die Folge ist, dass mehr und mehr Menschen es vermeiden, ihre Ansichten offen auszusprechen, selbst nicht im privaten geselligen Leben. Es ist ein Zustand, in dem eine demokratische Republik auf die Dauer nicht bestehen kann.

Frage: Wie sehen Sie die besondere Aufgabe des Intellektuellen in einer demokratischen Gesellschaft an?

Einstein: Im Prinzip sind alle im gleichen Maße an der Verteidigung der verfassungsmäßigen Rechte beteiligt. Die „Intellektuellen“ in dem weitesten Sinne des Wortes sind aber insofern in einer besonderen Lage, als sie in Folge ihrer besonderen Ausbildung einen besonders großen Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung haben. Deshalb haben es diejenigen die an der Stelle der demokratischen Republik einen autoritären Staat setzen wollen, besonders auf die Einschüchterung und Knebelung dieser Kategorie abgesehen. Insofern ist es in der gegenwärtigen Situation besonders wichtig, dass die Intellektuellen ihre Pflicht tun. Diese Pflicht sehe ich darin, an keiner Veranstaltung mitzuwirken, welche die verfassungsmäßigen Rechte des Individuums verletzt. Dies gilt im besonderen Falle für alle die Inquisitionen, welche sich auf das Privatleben und die politischen Verbindungen der Bürger beziehen. Wer da kooperiert, macht sich zum Mitschuldigen an Akten der Verletzung oder Außerkraftsetzung der Verfassung.

Albert Einstein: Über den Frieden. 2004 Abraham Melzer Verlag Neu-Isenburg. Sonderausgabe für Parkland Verlag Köln 2004. S. 548, 549, 550.


Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

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