Albert Einstein 32

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 25. Februar 2018 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Die „gesetzlichen“ und außergesetzlichen antisemitischen Maßnahmen in den ersten Monaten von Hitlers Amtszeit ließen viele Juden zu der Überzeugung gelangen, dass sie das Land verlassen mussten, doch den meisten erschienen die mit einer solchen Entscheidung verbundenen Risiken zu hoch. Fast 40 000 der insgesamt 537 000 Juden, die damals in Deutschland lebten, verließen das Land 1933 in der größten Auswanderungswelle vor dem Novemberpogrom 1938. Die meisten dieser Auswanderer waren jung und unverheiratet; aber es waren auch viele wohlhabende, gutsituierte Juden darunter, denen es gelang, ihr Eigentum schnell zu verkaufen, oder politisch aktive Juden, die befürchten mussten, in ein Konzentrationslager gesperrt zu werden. Tausende weiterer verließen zwischen 1934 und 1938 ihre deutsche Heimat, doch die meisten entschlossen sich zu bleiben. Avraham Barkai hat dazu bemerkt: „Wer eine Familie hatte und Kinder, die in die Schule gingen, wer einen Laden oder anderen Betrieb, ein Haus oder Grundbesitz besaß, der konnte sich – wenn er nicht unmittelbar bedroht war – nicht so leicht zum verlassen seiner Heimat entschließen. Nachdem der erste Schock angesichts der Machtübernahme durch die Nazis und auch der April-Boykott vorüber waren, begann man sich an die Lage zu gewöhnen.“

Diejenigen, die es ablehnten, sich den Gegebenheiten zu fügen, mussten in der Regel damit rechnen, dass sie das Land nur mit etwas Reisegepäck und ohne jede Barschaft verlassen konnten. In Interviews mit Juden aus Krefeld und anderen Städten hörte ich immer wieder, dass ihnen keine andere Wahl geblieben war, als „ohne einen Pfennig in der Tasche“ auszuwandern. Erzwungene Armut der Juden wurde zur offiziellen NS-Politik. Der Inhalt eines Rundschreibens des Auswärtigen Amtes vom Januar 1939 wird von Hannah Arendt mit folgenden Worten zitiert: „Deutschland sei an der Zerstreuung der Juden interessiert, da diese die beste Propaganda für die gegenwärtige deutsche Judenpolitik bilde. Dabei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es im deutschen Interesse liege, die Juden als Bettler über die Grenze zu jagen, denn je ärmer der Einwanderer sei, desto größer die Last für das Gastland.“

Dabei war der Druck zur Auswanderung enorm. Eigenartigerweise hielten sich jedoch die Polizeibehörden und Justizbeamten in dieser Hinsicht zunächst etwas zurück. Zwar verstärkten sie im Laufe der Zeit den Druck, dennoch gab es viele Fälle, in denen ihre Behandlung der Juden, verglichen mit dem extrem judenfeindlichen Verhalten der SA und SS, der Repräsentanten der NSDAP und vieler Normalbürger, geradezu milde war. Die Polizei – und Justizbeamten haben im Dritten Reich eine traurige Rolle gespielt, vor allem im Hinblick auf die Judenverfolgung. Doch bei aller Rücksichtslosigkeit, Willkür und Perversität dieser Beamten waren sie zugleich auch bemüht, eine Fassade der Legalität aufrecht zu erhalten. Indem sie einen Mittelweg zwischen den Zielen und Bestrebungen der fanatischen Nationalsozialisten und Antisemiten auf der einen und den Anhängern rechtstaatlichen Prinzipien auf der anderen Seite einschlugen, kanalisierten sie den Terror auf eine Weise, die ihn für beide Seiten akzeptabel machte, und stützten dadurch die Maßnahmen eines verbrecherischen Regimes.

Eric A. Johnson, Deutsche Ausgabe in Siedler Verlag Berlin 2001. Der nationalsozialistische Terror: Gestapo, Juden und gewöhnliche Deutsche. S. 103, 104, 105.


Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.

Diese Webseite verwendet Cookies, um ein optimales Nutzungserlebnis anzubieten. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden.Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.