Evolution und der Zauber der Wirklichkeit 21

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 16. Februar 2020 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf,
Seminarraum 1. Etage

Das Kreuz mit der Kirche

Zitate ausgewählt aus Karlheinz Deschner: Eine Sexualgeschichte des Christentums

Viertes Buch: Der Klerus. „Eure Gesichter sind immer Eurem Glauben schädlicher gewesen als unsere Gründe.“ Friedrich Nietzsche S. 148

„Eine bewusste Geburtenregelung ist für die Steuerung menschlichen Lebens unerläßlich und kaum zu überschätzen. Sie kann die Größe der Familie bestimmen, den Abstand der Geburten, kann materielle Misere und Verschleiß der Gesundheit verhindern, aber auch Ehekrisen und Fehlentwicklungen von Kindern. Denn das Problem ungewollter Existenz reicht tief. „Das Kind, das nicht ausdrücklich von seinen Eltern gewünscht ist, rächt sich sein Leben lang für die Tatsache, dass es geboren worden ist. Es rächt sich an seinen Eltern, seinen Mitmenschen, der ganzen menschlichen Gesellschaft. Verbrechen ist eigentlich nichts anderes als die Rache der ungewollten Kinder.“ S. 28

„Hasset Heftig!“ Der Sündenglaube ist ein wesentliches Machtinstrument der Kirche, weshalb er immer wieder ihren Gläubigen eingeimpft, eingebrannt, eingegraben wird. Mit welch rhetorischem Haß schüren doch schon die antiken Kirchenlehrer den Haß auf die „Sünde“, die „Liebe zu schlechten Dingen“, wie Johannes Chrysostomos sagt, „zum Beispiel“, wie er gleich fortfährt, „die Liebe der Unzüchtigen“. Worauf er Römer 12,9 so kommentiert:“ Er sagt nicht: Enthaltet euch! sondern: Hasset! Und nicht einfach: Hasset! Sondern Hasset heftig! Weil es viele Menschen gibt, die zwar nichts Böses tun, aber doch das Begehren danach haben, darum sagt der Apostel: Hasset heftig! Denn er will, dass auch unser Inneres reingehalten werde und dass wir Feindschaft, Haß und Krieg gegen die Sünde führen. Meinet nicht, will er sagen, dass mein Gebot „Liebet einander!“ soweit geht, dass ihr auch mit den Schlechten zusammenarbeiten sollt! Nein, gerade das Gegenteil gebiete ich: nicht bloß von der bösen Tat, sondern auch von der Neigung zum Bösen sich freizuhalten: ihr sollt Euch mit allem Abscheu davon abkehren und es hassen.“ S. 383

„In zwei, drei Jahrhunderten wird anerkannt werden, dass die fähigen Kopfjäger alle Christen sind.“ Mark Twain S. 385.

Die Moral der Kirche.

„Aber selbst Millionen Tote störten und stören diese Kirche nicht. Rief sie doch, auf beiden Seiten, auch zum Zweiten Weltkrieg auf. Verpflichtete sie doch alle Soldaten zum Fahneneid. Und ist sie doch jederzeit zu neuen und womöglich noch größeren Gräueln bereit, nach ihren Moralbegriffen vielleicht nötig, gerecht und gut, ein Liebesdienst – aber Liebe außerhalb der Ehe ist Verbrechen.

Ganz unbeeindruckt offenbar vom Ersten Weltkrieg, schrieb ein Katholik zu Beginn der zwanziger Jahre: „Nirgends aber würde Unordnung, Zuchtlosigkeit und Maßlosigkeit in welcher Richtung immer sie hervortreten würde…, nirgends und auf keinem (!) Gebiete des menschlichen Lebens wäre Anarchie und Willkür, unmächtiger Naturdrang verhängnisvoller als auf diesem Quellgebiet des menschlichen Lebens. Die Menschheit müsste eine solche Zügellosigkeit und Anarchie mit ihrer Existenz bezahlen.“ Das freilich behauptet man auch nach dem zweiten Weltkrieg noch: Wenn es einen Trieb gibt, der den Menschen unter die Würde seiner Vernunft und Freiheit hinabdrücken kann, so ist es sicher der Geschlechtstrieb.“ S. 398.

Vom guten Genickschuß und bösem Genuß.

„Hatte man einst den Sexualgenuß geheiligt, wurde er im Christentum verteufelt. Hieß es noch im Hohen Lied: „Die Liebe ist die größte aller Freuden“, machte das Christentum fast die größte aller Sünden daraus, die meistverdammte jedenfalls. Denn sein Ideal war eben nicht das Glück, sondern das Leid, die Kasteiung, war im Grunde, wie immer man das heute wegzuwischen sucht, tief daseinsfeindlich, rigoros asketisch, antidyonisisch (S. 66 ff). Unnatur statt Natur, Verdrängung statt Triebentfaltung, Prozeßlust statt Lustprozessen – und wie oft doch schien der Genickschuß harmloser als der Genuß!

Im Mittelalter zog das einmalige Onanieren einer Frau gelegentlich eine Sühne von drei Jahren nach sich (S.378 f.). So über allen Maßen barbarisch bestrafte man, was keinem Wesen im Weltall geschadet, der Onanierenden selbst nur Lust bereitet hat. Wer aber einen anderen blutig schlug, im Krieg getötet oder auf Befehl seines Herren ermordet hatte, mußte 40 Tage büßen! Das ist die Moral der Kirche.

Oder war sie es vielleicht? Ist dies passé? Im Gegenteil. Wer heute im Krieg tötet, büßt überhaupt nicht, büßt längst nicht mehr, büßt nur noch, wenn er nicht umbringt! Wenn er seinen Fahneneid bricht! Das ist die Moral der Kirche“. S. 399.

Karlheinz Deschner, Das Kreuz mit der Kirche. Lizenzausgabe Edition Enfer im Rhenania Buchversand GmbH & Co KG Koblenz. 2009. S.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.