Evolution und der Zauber der Wirklichkeit 10

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 19. Mai 2019 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf, Seminarraum 1. Etage

Die Intelligenz der Pflanzen

Die Sinne der Pflanzen

Eines steht fest: Pflanzen haben keine Augen, keine Nase und auch keine Ohren. Wieso sollten wir dann annehmen, dass sie sehen und hören, riechen, schmecken oder sogar fühlen können? Alles deutet offenkundig auf das Gegenteil hin: Unsere Kultur, unser Gefühl und sogar, was wir mit eigenen Augen sehen.

Danach zu urteilen, vegetieren Pflanzen bloß. Das heißt, sie sind mehr oder minder bewegungslos, führen die Fotosynthese durch, bringen ab und an einen neuen Trieb hervor, blühen bisweilen oder verlieren ihre Blätter. Das war’s.

Das Wort >vegetieren< das sich wie Vegetation vom Lateinischen vegetare (beleben) ableitet, hat stets eine herabsetzende Bedeutung. Wenn jemand nur noch >dahinvegetiert<, heißt das, dass er über keine typisch menschlichen motorischen und sensorischen Fähigkeiten mehr verfügt – also kaum mehr besitzt als das nackte Leben. Wie eine Pflanze eben, denken wir. Doch stimmt der Vergleich? Wie wir im ersten Kapitel gesehen haben, geht unsere Vorstellung von den empfindungsunfähigen Pflanzen letztendlich auf das alte Griechenland zurück: Das antike Pflanzenbild überstand nicht nur unbeschadet die Renaissance – nach deren berühmter >Hierarchie der Lebewesen< Pflanzen leben, aber nicht fühlen und denken (siehe S. 22) -, sondern nahm ebenso die schwierige Klippe der Aufklärung und anderer wissenschaftlicher Paradigmenwechsel die die Absurdität des Modells eigentlich hätten aufdecken müssen.

Einmal angenommen, wir wären zur Bewegungslosigkeit verdammt oder besser: wir hätten uns, wie die Pflanzen, für diese Evolutionsstrategie entschieden. Wäre es denn in diesem Falle nicht noch wichtiger, dass wir sehen, riechen, hören, kurzum, die Umwelt mit allen Sinnen erfassen? Eben weil wir uns nicht von der Stelle rühren können? Kurz gesagt: Die Sinne sind für das Überleben, für Fortpflanzung, Wachstum und Selbstverteidigung unabdingbar, und darum wäre es den Pflanzen auch nicht im Traum eingefallen, darauf zu verzichten.

Wie wir im Folgenden sehen werden, verfügen Pflanzen, genauso wie wir, über alle fünf Sinne. Und nicht nur das: sie besitzen sogar noch fünfzehn weitere. Natürlich in pflanzlicher und nicht in menschlicher Ausprägung. Doch deren Zuverlässigkeit tut das keinen Abbruch.

Sehen

Riechen

Schmecken

Fühlen

Hören

Und noch fünfzehn weitere Sinne!

 

Originalausgabe: Stefano Mancuso, Alessandra Viola: Giunti Editore S. p. A., Florenz-Mailand 2013. Titel: Verde brillante. Sensibilità e intelligenza del mondo vegetale

Deutsche Ausgabe: Stefano Mancuso, Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München 2015. ISBN 978-3-95614-030-3 – S. 42 bis 47.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.