Albert Einstein 9

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 08. Mai 2016 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

„Im Jahr 1999 veröffentlichte der Hamburger Literaturprofessor Dietrich Schwanitz (1940 – 2004) ein Buch mit dem Titel „Bildung“ und dem herausfordernden Untertitel „Alles was man wissen muss“. … Was Schwanitz wirklich von den Naturwissenschaften hält, offenbart er freimütig am Ende seines Werkes:

„Die naturwissenschaftlichen Kenntnisse werden zwar in der Schule gelehrt; sie tragen auch einiges zum Verständnis der Natur, aber wenig zum Verständnis der Kultur bei. … So bedauerlich es manchem erscheinen mag: Naturwissenschaftliche Kenntnisse müssen zwar nicht versteckt werden, aber zur Bildung gehören sie nicht.“

Hier zeigt sich – ich möchte das an dieser Stelle einmal so deutlich formulieren – die typische Ignoranz, ja Arroganz eines immer noch verbreiteten Typs von Geisteswissenschaftlern mit einem sehr traditionalistischen Bildungsbegriff, der nicht selten auch noch damit kokettiert, von „Physik und Mathematik keine Ahnung zu haben“. Schwanitz hätte stattdessen darüber nachdenken sollen, was er, und natürlich wir alle, zum Beispiel den Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543) und Johannes Kepler (1571 – 1630) sowie dem Philosophen. Mathematiker und Physiker Galileo Galilei (1564 – 1642) zu verdanken haben. Sie lösten durch das von ihnen vertretene heliozentrische System die von der Kirche behauptete Auffassung von der gottgegebenen Stellung der Erde als Mittelpunkt der Welt ab. Der Philosoph und Astronom Giordano Bruno (1548 – 1600) ging noch darüber hinaus und behauptete schon damals. Dass das Universum unermesslich groß sein und von unzähligen Sonnen wie der unseren erfüllt sei. An jedem Ort des Kosmos könnte man den Eindruck haben, im Mittelpunkt der Welt zu stehen. Daher verbiete es sich, die Erde oder unser Sonnensystem als Zentrum einer göttlichen Naturordnung anzusehen.

Worin bestand – neben der wissenschaftlichen Leistung – die geistig kulturelle Bedeutung dieser Wissenschaftler? Man kann es in einem Satz sagen: Sie wagten es, ihre Einsichten und Beobachtungen über die Autorität der Kirche und er Bibel zu stellen, sie trauten sich, ihren Verstand zu benutzen und ihre empirischen Erkenntnisse gegen nur behauptete, angebliche Wahrheiten, wie sie zum Beispiel auch in den alten Schriften eines Aristoteles (384 – 322 v. u. Z.) niedergelegt waren, zu setzen. Ihr Interesse galt nicht mehr den tradierten Texten und ihrer Interpretation, sondern den beobachtbaren und messbaren Fakten der Wirklichkeit. Sie leiteten damit die entscheidende Wende im Denken jener Zeit ein und etablierten neben der Philosophie und Theologie die Naturwissenschaften als dritte prägende kulturelle Disziplin. Galileo Galilei, Wegbereiter der modernen Naturwissenschaften, hat die Geisteshaltung, die zu diesem Denken führte, so zum Ausdruck gebracht:

„Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselb4en nicht zu benutzen.““

Uwe Lehnert "Warum ich kein Christ sein will"; Tectum Verlag Marburg 2015; 6. erweiterte Auflage S. 63.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.