Albert Einstein 3

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 13. Dezember 2015 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

"Es entwickelten sich nach dem Prinzip von Mutation und Selektion Funktionen, die dem Besitzer dieser Funktionen zunächst einmal das Überleben, nach und nach aber ein immer souveräner werdendes Zurechtkommen in seiner Umwelt ermöglichten. Die Zunahme an Informationsverarbeitungskapazität basierte dabei jeweils auf dem Prinzip der Fulguration beziehungsweise Emergenz. Dass dabei die Ausbildung von "Denk" vermögen einen enormen Selektionsvorteil darstellte, dürfte unmittelbar einleuchten. Wobei anzumerken ist, dass das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses unter anderen Umweltbedingungen ziemlich sicher anders ausgefallen wäre. Womit noch einmal unterstrichen wird, dass es keine zielgerichtete Entwicklung gibt. Es existieren stets nur jene Organismen, die soweit an ihre Umwelt angepasst sind, dass sie in ihr überleben, sich fortpflanzen und damit ihre Gene bzw. Merkmalsanlagen weitergeben können.

Darüber hinaus aber besitzen wir als Menschen ganz offensichtlich auch die Gabe des Reflektierens und Hinterfragens, die Fähigkeit, uns unserer Situation bewusst zu werden, über unseren Ursprung nachzudenken und unser Werden zu verstehen. Ist diese für das Überleben an sich nicht erforderliche Begabung nun ein zusätzlicher, zufällig entstandener "Luxus" oder etwa gar ein "Schachzug" der Natur mit der Folge, dass die Evolution nun an tatsächlich "planende und zielorientiert agierende Designer" übergeben wird? Ein Schachzug im Sinne eines überlegten Handelns ist es gewiss nicht, doch mit den derzeit schon erfolgten gezielten Eingriffen in die Struktur unserer Erbanlagen hat der Mensch offenbar begonnen, in die bisher blindlings ablaufende Evolution bewusst und zielgerichtet einzugreifen.

Zum Bewusstsein wird von Kritikern der evolutionären Erkenntnistheorie eingewandt, dass sein Auftreten mit der Evolution angeblich nicht erklärt werden könne, weil ihm keine die Existenz sichernde Funktion zukäme. Eine solche Aussage erscheint aber verfrüht, da uns der weitere Verlauf der Evolution natürlich nicht bekannt.

Wir kennen bei der Entwicklung von komplexen technischen Systemen (Beispiel: Funktelefon) das Phänomen, dass diese neben der beabsichtigten Funktion oft zusätzliche, zunächst nicht gesehene Möglichkeiten enthalten, für die sich erst im Laufe der Zeit Anwendungen ergeben, die dann ihrerseits eine Weiterentwicklung des Gesamtsystems anstoßen (beim Funktelefon zum Beispiel das versenden von Textnachrichten, die Ortung von Personen, der Einsatz als Navigationssystem). Die Evolution schafft bei Systemen hoher Komplexität aufgrund des in Emergenzvorgängen liegenden Potentials zusätzliche Eigenschaften, deren Verwendung sich immer erst ergeben muss. So verlief es aber in der Evolution stets: Durch Mutation entstand eine neue Eigenschaft; wenn sie dem Träger eine erhöhte Überlebenschance verschaffte, wurde sie genutzt und weiter vererbt; wenn sie nicht "störte", wurde sie beibehalten, bis sich eventuell eine Verwendung ergab.

Inzwischen schickt sich das Bewusststein offenbar an, die Evolution selbst vorwärts zu treiben!"

Uwe Lehnert "Warum ich kein Christ sein will"; Tectum Verlag Marburg 2015; 6. erweiterte Auflage S. 32, 33.

Le Monde Sonderbeilage Juli Sept. 2015 (Hors Série) Seite 7,8,9,10

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.