Albert Einstein 29

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 3. Dezember 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Wenige Wochen nach der Invasion Abessiniens durch Italien, am 22. Oktober 1935, sprachen Einstein und der frühere New Yorker Staatsgouverneur Alfred E. Smith über ein ganz Amerika erfassendes Rundfunknetz; der Anlass war ein in New York von zwei Hilfsgruppen (für politische und nichtjüdische Flüchtlinge aus Deutschland) veranstaltetes Dinner. Hier folgen die Bemerkungen Einsteins.

Der kulturelle Zersetzungsprozess, welcher in den letzten Jahren in Zentraleuropa erschreckende Dimensionen angenommen hat, muss jeden mit ernster Sorge erfüllen, dem das Schicksal der Menschheit wirklich am Herzen liegt. Da die internationale Organisation und das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Nationen noch nicht weit genug fortgeschritten sind, um in Gemeinschaft Mittel zur Heilung der Krankheit am Orte der Erkrankung selbst zur Anwendung bringen zu können, werden zweierlei Anstrengungen gemacht, um die Gefahr zu bannen und bedrohte Kulturwerte zu retten.

Das erste und wichtigste ist ein engerer Zusammenschluss der nicht unmittelbar betroffenen Nationen im Rahmen des Völkerbundes zur gemeinsamen Verteidigung des Friedens und der militärischen Sicherheit. Das Zweite ist die Hilfe für diejenigen, welche teils durch unmittelbare Bedrohung, teils durch gewaltsame Unterbindung ihrer wirtschaftlichen Existenzbasis zur Auswanderung gezwungen worden sind. Das Los dieser Menschen ist noch außerordentlich erschwert durch die ökonomische Weltkrise und die mit ihr verknüpfte Arbeitslosigkeit in fast allen Ländern, welch an vielen Orten zu einem Arbeitsverbot für Fremde geführt hat.

Dass der deutsche Faschismus am schlimmsten gegen meine jüdischen Brüder wütet, ist wohlbekannt. Es handelt sich hier um die Verfolgung einer Gruppe, die sich zu einer Religionsgemeinschaft bekennt. Die Verfolgung wird durch das Ziel begründet, die arische Rasse in Deutschland zu reinigen, welche arische Rasse allerdings nicht existiert, sondern eigens zur Motivierung der Verfolgung und Beraubung der Juden erfunden worden ist.

Die Juden aller Länder helfen ihren in äußerste Not geratenen Brüdern nach Kräften. Sie haben ihre Hilfe auch nach Möglichkeit Emigranten zugewandt, die nicht zu ihrer Gruppe gehören. Um diesen Opfern des Terrors zu helfen, reichen aber die Kräfte der jüdischen Gemeinschaft bei weitem nicht aus, so dass das Los der nichtjüdischen Emigranten bisher ein noch schwierigeres war als das der jüdischen. Die nichtjüdische Emigration setzt sich zusammen a) aus Personen mit wenigstens teilweise jüdischen Vorfahren, b) aus Personen, die früheren politischen Wirkens wegen bedroht sind, hauptsächlich Liberale, Sozialisten und Pazifisten, c) Personen, welche die Emigration der Unterwerfung unter Vorschriften vorziehen, deren Erfüllung sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können….

Es handelt sich um eine Tat der Menschenliebe, der Erhaltung kultureller Werte und nicht zuletzt um eine Aktion von erheblicher politischer Bedeutung…Eine Verelendung dieser Opfer würde ein schwerer Schlag sein für alle, die bisher an menschliche Solidarität geglaubt haben, und zugleich eine Ermutigung für jene, die nur an Gewalt und Unterdrückung glauben…

Albert Einstein: Frieden Hebrew University of Jerusalem, Israel. 2004 Abraham Melzer Verlag, Neu - Isenburg. Sonderausgabe für Parkland Verlag Köln, 2004. S. 278, 279.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.