Albert Einstein 27

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 22. Oktober 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Im Kampf gegen den Nationalsozialismus (1)

Bekenntnis

März 1933

Solange mir eine Möglichkeit offensteht, werde ich mich nur in einem Land aufhalten, in dem politische Freiheit, Toleranz und Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz herrschen. Zur politischen Freiheit gehört die Freiheit der mündlichen und schriftlichen Äußerung politischer Überzeugung, zur Toleranz die Achtung vor jeglicher Überzeugung eines Individuums.

Diese Bedingungen sind gegenwärtig in Deutschland nicht erfüllt. Es werden dort diejenigen verfolgt, die sich um die Pflege internationaler Verständigung besonders verdient gemacht haben, darunter einige der führenden Künstler.

Wie jedes Individuum, so kann auch jeder gesellschaftliche Organismus psychisch krank werden, besonders in Zeiten erschwerter Existenz. Nationen pflegen solche Krankheiten zu überstehen. Ich hoffe, dass in Deutschland bald gesunde Verhältnisse eintreten werden und dass dort in Zukunft die großen Männer wie Kant und Goethe nicht nur von Zeit zu Zeit gefeiert werden, sondern dass sich auch die von ihnen gelehrten Grundsätze im öffentlichen Leben und im allgemeinen Bewusstsein durchsetzen.

Briefwechsel mit der Preußischen Akademie der Wissenschaften

Die Erklärung der Akademie vom 1. April 1933

Die Preußische Akademie der Wissenschaften hat mit Entrüstung von den Zeitungsnachrichten über die Beteiligung Albert Einsteins an der Greuelhetze in Frankreich und Amerika Kenntnis erhalten. Sie hat sofort Rechenschaft von ihm gefordert. Inzwischen hat Einstein seinen Austritt aus der Akademie erklärt mit der Begründung, dass er dem preußischen Staate unter der jetzigen Regierung nicht mehr dienen könne. Da er Schweizer Bürger ist, scheint er auch zu beabsichtigen, die preußische Staatsangehörigkeit aufzugeben, die er 1913 lediglich durch die Aufnahme in die Akademie als ordentliches hauptamtliches Mitglied erlangt hat.

Die Preußische Akademie der Wissenschaften empfindet das agitatorische Auftreten Einsteins im Auslande umso schwerer, als sie und ihre Mitglieder seit alten Zeiten sich aufs engste mit dem preußischen Staate verbunden fühlt und bei aller gebotenen und strengen Zurückhaltung in politischen Fragen den nationalen Gedanken stets betont und bewahrt hat. Sie hat aus diesem Grunde keinen Anlass, den Austritt Einsteins zu bedauern.

Für die Preußische Akademie der Wissenschaften:

Prof. Dr. Ernst Heymann

Ständiger Sekretär

Albert Einsteins Antwort an die Preußische Akademie der Wissenschaften

Le Coq bei Ostende, den 5. April 1933

Ich habe von durchaus zuverlässiger Seite die Nachricht erhalten, dass die Akademie der Wissenschaften in einer offiziellen Erklärung von einer „Beteiligung Albert Einsteins an der Greuelhetze in Frankreich und Amerika“ gesprochen hat.

Ich erkläre hiermit, dass ich mich niemals an einer Greuelhetze beteiligt habe, und ich muss hinzufügen, dass ich von einer solchen Hetze überhaupt nirgends etwas gesehen habe. Man begnügte sich im Großen und Ganzen damit, die offiziellen Kundgebungen und Anordnungen der verantwortlichen deutschen Regierungspersonen sowie das Programm betreffend die Vernichtung der deutschen Juden auf wirtschaftlichem Wege wiederzugeben und zu kommentieren.

Die Erklärungen, welche ich der Presse gegeben habe, beziehen sich darauf, dass ich meine Stellung an der Akademie niederlegen und mein preußisches Bürgerrecht aufgeben würde; ich begründete dies damit, dass ich nicht in einem Staat leben wolle, in dem den Individuen nicht gleiches Recht vor dem Gesetz sowie Freiheit des Wortes und der Lehre zugestanden wird.

Ich erklärte ferner den Zustand im jetzigen Deutschland als einen Zustand psychischer Erkrankung der Massen und sagte auch einiges über die Ursachen dieses Zustandes.

In einem Schriftstück, das ich der internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus zu Werbungszwecken überließ und das überhaupt nicht für die Presse bestimmt war, forderte ich ferner alle besonnenen und den Idealen einer bedrohten Zivilisation treu gebliebenen Menschen auf, alles daranzusetzen, dass diese in Deutschland in so furchtbarer Weise sich äußernde Massenpsychose nicht weiter um sich greife.

Es würde der Akademie ein Leichtes gewesen sein, sich in den Besitz des richtigen Textes meiner Aussage zu setzen, bevor sie sich über mich in solcher Weise äußert, wie sie es getan hat. Die deutsche Presse hat meine Äußerungen tendenziös entstellt wiedergegeben, wie es bei der gegenwärtig dort herrschenden Knebelung der Presse auch gar nicht anders erwartet werden.

Ich stehe für jedes Wort ein, das ich veröffentlicht habe. Ich erwarte aber andererseits von der Akademie, zumal sie sich ja selbst an meiner Diffamierung vor dem deutschen Publikum beteiligt hat, dass sie diese meine Aussage ihren Mitgliedern sowie jenem deutschen Publikum zur Kenntnis bringe, vor welchem ich verleumdet worden bin.

Die berühmteste Ohrfeige der Republik (2)

1966 wurde Kurt Georg Kiesinger, der 1933 der NSDAP beigetreten und später ein leitender Kopf in Ribbentrops Außenministerium geworden war, zum Bundeskanzler einer großen Koalition von CDU/CSU und SPD gewählt, die eine Zweidrittelmehrheit für die berüchtigten Notstandsgesetze erbringen sollte.

Beate Auguste K. hatte in Paris einen Franzosen geheiratet, dessen Vater in einem Nazi-Kazet umgebracht worden war. Als niemand in der BRD öffentlich dagegen protestierte, dass ein ehemaliger Nazi im scheinheiligen Gewand der christlichen Partei das höchste Amt im westdeutschen Staat innehatte, rief sie am 2. April 1968 von der Besuchertribüne des Bundestags zu Kiesinger, als er dort sprach: „Nazi – tritt zurück!“ Und wurde daraufhin sofort abgeführt.

Ein halbes Jahr später, am 7. November, veranstaltete die CDU im Westberliner Kongresszentrum ihren Bundesparteitag. Auf dem Podium, Kiesinger mittig zwischen den Granden der CDU.

Frau K., eben siebenundzwanzig Jahre alt, gelangte mit ihrem Presseausweis in das Kongresszentrum und überredete einen Wächter, man weiß nicht wie, sie in den schwer bewachten Tagungssaal eintreten zu lassen. Ungehindert schritt sie an den Delegierten vorbei, stieg die zwei Stufen zum Podium hinauf und wurde auch nicht aufgehalten, als sie hinter dem Präsidium an den Rücken der Männer vorbei zu Kiesinger vordrang. Mit den laut gerufenen Worten „Nazi! Nazi! Nazi!“ schlug sie ihm von hinten seitlich mit dem Handrücken, etwas kräftiger als symbolisch, eine Ohrfeige.

Beate K. wurde dafür noch am selben Abend von einem Schnellgericht zu einem Jahr Gefängnis wegen Beleidigung und Körperverletzung verurteilt, sie musste diese Strafe jedoch nicht absitzen, da sie auch französische Staatsbürgerin war.

Seitdem wusste Deutschland und Europa, dass die Bundesdeutschen sich einen Mitverantwortlichen des Holocaust zum Kanzler gewählt hatten. Heinrich Böll schickte der jungen Frau einen Strauß roter Rosen nach Paris.

(1) Albert Einstein: Mein Weltbild, herausgegeben von Carl Seelig. Ullstein Taschenbuch 32. Auflage 2014; Europa Verlags AG Zürich S. 92, 93, 94.

(2) Erasmus Schöfer: Kalendergeschichten des Rheinischen Widerstandsforschers; Verbrecher Verlag Berlin 2016 S. 17, 18.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.