Albert Einstein 24

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 06. August 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

 

Von den Minderheiten

Es scheint eine allgemeine Tatsache zu sein, dass Minderheiten – besonders, wenn deren Individuen durch körperliche Merkmale erkennbar sind – von den Mehrheiten, unter denen sie leben, als minderwertige Menschenmasse behandelt werden. Das Tragische solchen Schicksals liegt aber nicht nur in der instinktiv realisierten Benachteiligung dieser Minderheiten in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung, sondern auch darin, dass die durch solche Behandlung Betroffenen infolge des suggestiven Einflusses der Majorität meist selbst jenem Wertungsvorurteil erliegen und ihresgleichen für minderwertig halten. Dieser zweite und größere Teil des Übels kann durch engeren Zusammenschluss und durch zielbewusste erzieherische Aufklärung der Minderheit beseitigt und so eine seelische Befreiung der Minderheit erreicht werden.

Das zielbewusste Streben der amerikanischen Neger in dieser Richtung verdient alle Anerkennung und Förderung.

Kultur und Wohlstand

Wenn man den Schaden ausmessen will, den die große politische Katastrophe der menschlichen Kulturentwicklung gebracht hat, so muss man sich daran erinnern, dass die feinere Kultur eine an komplizierte Bedingungen geknüpfte subtile Pflanze ist, die jeweilen nur an wenigen Orten zu gedeihen pflegt. Es bedarf zu ihrem Gedeihen zunächst eines gewissen Wohlstandes, der einen gewissen Bruchteil der Bevölkerung eines Landes in den Stand setzt, an Dingen zu arbeiten, die nicht unmittelbar nötig sind für die Erhaltung des Lebens. Es bedarf hierzu überdies einer moralischen Tradition der Wertschätzung kultureller Güter und Leistungen, vermöge deren diese Schicht von den übrigen, für die unmittelbaren Lebensbedürfnisse arbeitenden Schichten, die Lebensmöglichkeit geboten wird.

Deutschland gehörte in den letzten hundert Jahren zu den Ländern, in denen beide Bedingungen erfüllt waren. Der Wohlstand war im Ganzen bescheiden, aber hinreichend, die Tradition der Wertschätzung für Kulturgüter kräftig. Auf solcher Basis schuf dieses Volk kulturelle Werte, die aus der modernen Entwicklung nicht hinweggedacht werden können. Die Tradition steht im Ganzen noch unversehrt da, der Wohlstand ist erschüttert. Man hat der Industrie des Landes die Rohstoffquellen zum größten Teil weggenommen, auf Grund deren der industriell arbeitende Teil der Bevölkerung entstanden ist. Der Überschuss, der für die Erhaltung der geistige Werte schaffenden Arbeiter notwendig ist, fehlt plötzlich. Mit dieser Existenzbedingung muss auch die Tradition fallen und eine der fruchtbaren Pflanzstätten der Kultur veröden.

Die Menschheit hat, soweit sie geistige Güter hochschätzt, ein Interesse daran, solche Verarmung zu verhüten. Sie wird nach Kräften momentaner Not abhelfen und den durch nationalen Egoismus in den Hintergrund gedrängten höheren Gemeinsinn, für den menschliche Werte unabhängig von Politik und Landesgrenzen Geltung haben, wiedererwecken. Sie wird dann jedem Volk die Arbeitsbedingungen gewähren, auf Grund deren es existieren kann und auf Grund deren es imstande ist, Kulturwerte zu schaffen.

Albert Einstein, Mein Weltbild, Ullstein Taschenbuch 32. Auflage 2014, Europa Verlags AG Zürich. S. 75 und 78.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.