Albert Einstein 22

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 11. Juni 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Seit 1918 wohnte Einstein im sogenannten „Bayrischen Viertel“ im Stadtbezirk Schöneberg. In der Haberlandstraße 5 hatte seine zweite Frau mit ihren Töchtern Ilse und Margot eine große Wohnung im vierten Stockwerk inne. In dem darüber gelegenen Dachgeschoß wurden Mitte der zwanziger Jahre für den Forscher zwei Räume als Studierzimmer und Bibliothek ausgebaut. Dort konnte er ungestört arbeiten.

Wie Einsteins Geburtshaus in Ulm und wie sein erstes Berliner Wohnhaus wurde auch das Haus in der Haberlandstraße während des zweiten Weltkrieges durch einen alliierten Luftangriff in einen Trümmerhaufen verwandelt.

In Einsteins Haus war stets ein reges Kommen und Gehen. Seine engeren Fachkollegen Planck, Nernst, Haber, von Laue, der Astronom Archenhold und andere Naturwissenschaftler besuchten ihn oft. Heinrich Mann und Gerhard Hauptmann, Erich Kleiber, Max Liebermann – der Einstein in seinem Arbeitszimmer porträtierte -, die Schauspielerin Hedwig Wangel und viele andere namhafte Kunstschaffende waren bei ihm zu Gast. Auch der berühmte indische Dichter-Philosoph und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore und Charlie Chaplin gehörten zu seinen Besuchern.

Sein engster wissenschaftlicher Mitarbeiter in den letzten Berliner Jahren war der Mathematiker Walter Mayer aus Wien, „ein prächtiger Kerl, der längst eine Professur hätte, wenn er nicht Jude wäre“, wie Einstein in einem Brief an Solovine schrieb.

Da Einstein die Großstadt nicht liebte und oft und gern auf den Seen in der Umgebung von Berlin segelte, wollte der Magistrat von Berlin dem hervorragenden Gelehrten zu seinem 50. Geburtstag im März 1929 ein der Stadt gehörendes Haus am Wannsee schenken. Dieses Vorhaben scheiterte daran, dass der Magistrat über die in Aussicht genommenen Liegenschaften und Gebäude nicht frei verfügen konnte. Schließlich wurde Einstein gebeten, sich in der Nähe von Berlin selbst ein Wassergrundstück auszusuchen, das dann von der Stadt angekauft und ihm als Geschenk übereignet werden sollte.

An einem Waldhang in der Gemeinde Caputh bei Potsdam – am Templiner See – fand Frau Elsa einen schön gelegenen Platz. Aber nun traten plötzlich und unerwartet neue politische Schwierigkeiten auf. Ein antisemitischer Stadtverordneter erhob Einspruch gegen die Schenkung und stellte die Frage, ob Einstein ein derartiges Geschenk überhaupt verdient habe. Die Beschlussfassung musste erneut vertagt werden. Nun war Einsteins Geduld zu Ende. Er schrieb an den Oberbürgermeister einen Brief, in dem es hieß: „Da die Bemühungen um das geplante Geburtstagsgeschenk offenbar zu langwierig sind im Vergleich zur Kürze des menschlichen Lebens, ersuche ich Sie, die Angelegenheit endgültig zu begraben.“

Einstein erwarb das Grundstück in Caputh aus eigenen Mitteln. Noch im Frühjahr 1929 unterzeichnete er als Bauherr den Plan für ein großes, neuzeitlich ausgestattetes Blockhaus mit mehreren geräumigen Zimmern und zwei Terrassen, von denen man einen anmutigen Ausblick auf die Wälder und Seen hatte. „Wir sind auf diese Weise, ohne es zu wollen, allmählich zu einem schönen eigenen Haus im Walde und am Wasser gekommen,“ sagte Frau Einstein zu einem Besucher. „Aber wir haben auch den größten Teil unserer Ersparnisse verbraucht. Wir haben nun kein Geld, aber dafür unseren eigenen Grund und Boden, da fühlt man sich viel sicherer.“ Leider sollte dieses Gefühl nicht von langer Dauer sein.

Im Spätherbst 1932 verließ Einstein das Blockhaus in Caputh, das er drei Sommer lang bewohnt hatte, um wieder in die Berliner Stadtwohnung zurückzukehren und Anfang Dezember zu seinen Gastvorlesungen nach Pasadena zu reisen. Es wurde ein Abschied von Deutschland für immer.

Einstein scheint das geahnt zu haben. Wie berichtet wird, sagte er vor der Abfahrt aus Caputh zu Frau Elsa, sie möge sich das schöne Haus noch einmal gut anschauen: „Wahrscheinlich würden sie es nicht wiedersehen.“

 

Friedrich Herneck „Albert Einstein“ Berlin 1967 Buchverlag der Morgen; S. 190, 191, 192, 196.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.