Albert Einstein 20

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 23. April 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

„Der Glaube, dass es möglich ist, alles Wissenswerte durch bloßes Nachdenken zu finden, war im Kindeszeitalter der Philosophie ziemlich allgemein. Es war eine Illusion, die jeder leicht begreifen kann, wenn er für einen Augenblick davon absieht, was er von der späteren Philosophie und den Naturwissenschaften gelernt hat. Er wird sich nicht darüber wundern, wenn Plato der „Idee“ eine Art höhere Realität zuschrieb als den empirisch erlebbaren Dingen. Auch bei Spinoza und noch bei Hegel scheint dieses Vorurteil als belebende Kraft die Hauptrolle gespielt zu haben. Es könnte sogar einer die Frage aufwerfen, ob ohne solche Illusion überhaupt Großes auf dem Gebiet des philosophischen Denkens geschaffen werden kann – wir aber wollen so etwas nicht fragen.

Dieser mehr aristokratischen Illusion von der unbeschränkten Durchdringungskraft des Denkens steht die mehr plebejische Illusion des naiven Realismus gegenüber, gemäß welcher die Dinge so „sind“, wie wir sie mit unseren Sinnen wahrnehmen. Diese Illusion beherrscht das tägliche Treiben der Menschen und Tiere. Sie ist auch der Ausgangspunkt der Wissenschaften, insbesondere der Naturwissenschaften.

Die Überwindung dieser beiden Illusionen ist nicht unabhängig voneinander. Die Überwindung des naiven Realismus ist verhältnismäßig einfach gewesen. Russell hat diesen Prozess in der Einleitung seines Buches „An inquiry into meaning and truth“ in wunderbar prägnanter Form so gekennzeichnet:

„Wir alle beginnen beim naiven Realismus d. h. bei der Doktrin, dass die Dinge das sind, was sie scheinen. Wir nehmen an, dass das Gras Grün ist, der Schnee kalt und die Steine hart sind. Aber die Physik versichert uns, dass das Grün der Gräser, die Kälte des Schnees und die Härte der Steine nicht das gleiche Grün, dieselbe Kälte und dieselbe Härte sind, wie wir sie gemäß unserer Erfahrung kennen, sondern etwas ganz Andersartiges. Der Beobachter, der vorgibt, einen Stein zu beobachten, beobachtet, wenn wir der Physik Glauben schenken wollen, in Wirklichkeit die Wirkungen der Steine auf sich selbst. Daher scheint die Wissenschaft in Widerstreit mit sich selbst zu sein; wenn sie sich für höchst objektiv hält, taucht sie gegen ihren Willen in der Subjektivität unter. Der naive Realismus führt zur Physik, und die Physik ihrerseits zeigt, dass dieser naive Realismus, sofern er konsequent bleibt, falsch ist. Logisch falsch, also falsch.“

Albert Einstein Mein Weltbild; Lizenzausgabe Ullstein Taschenbuch 32. Auflage 2014 der Europa Verlags AG Zürich. S. 41, 42.

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.