Albert Einstein 17

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 12. Februar 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Hendrik Antoon Lorentz als Schöpfer und als Persönlichkeit.

Die Niederschrift dieses Artikels wurde Ende Februar 1953 beendet. Den äußeren Anstoß gab der Kongress, der im Sommer 1953 zu Ehren des auf den 18. Juli 1953 gefallenen 100. Geburtstages von Prof. Lorentz tagte. (Schlussteil des Artikels von Albert Einstein)

„Wenn wir Jüngeren H. A. Lorentz nur als erleuchtenden Geist gekannt hätten, wäre unsere Bewunderung und Verehrung für ihn schon einzigartig gewesen. Was ich aber empfinde, wenn ich an H. A. Lorentz denke, ist damit bei weitem nicht erschöpft. Er war mir persönlich mehr als alle anderen, die mir auf meinem Lebensweg begegnet sind.

Wie er die Physik und die mathematische Form beherrschte, so beherrscht er auch sich selbst, ohne Mühe und in steter Gelassenheit. Sein ganz ungewöhnlicher Mangel an menschlichen Schwächen wirkte niemals niederdrückend auf die Mitmenschen. Jeder fühlte seine Überlegenheit, aber niemand fühlte sich durch sie bedrückt. Denn obwohl er die Menschen und die menschlichen Verhältnisse klar durchschaute, hatte er doch für alles ein gütiges Wohlwollen. Nie wirkte er dominierend, sondern immer nur dienend und helfend. Er war äußerst gewissenhaft, ohne irgendeine Angelegenheit als über Gebühr wichtig erscheinen zu lassen. Davor schützte ihn ein feiner Humor, der sich in seinen Augen und in seinem Lächeln spiegelte. Dazu passt es auch, dass er bei aller Hingabe an die wissenschaftliche Erkenntnis doch davon durchdrungen war, dass unser Verstehen nicht gar tief in das Wesen der Dinge einzudringen vermöge. Diese halb skeptische, halb demütige Einstellung wusste ich erst in meinen späteren Jahren voll zu würdigen.

Die Sprache – oder wenigstens meine Sprache – kann dem Gegenstand dieses kleinen Aufsatzes trotz aufrichtiger Bemühung doch nicht gerecht werden. Deshalb möchte ich noch zwei kurze Aussprüche von Lorentz zitieren, die besonders stark auf mich gewirkt haben:

„Ich bin glücklich, einer Nation anzugehören, die zu klein ist, um große Torheiten zu begehen.“

Einem Mann aber, der ihm bei einem Gespräch während des Ersten Weltkrieges zu überzeugen versuchte, dass die Schicksale durch Macht und Gewalt bestimmt würden, antwortete er: „Es ist denkbar, dass Sie recht haben; aber in einer solchen Welt möchte ich nicht leben.“

Albert Einstein: Mein Weltbild Ullstein Taschenbuch 2014 S. 36, 37. Mit Genehmigung des Europa-Verlages AG Zürich.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.