Albert Einstein 16

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 22. Januar 2017 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Bertrand Russel ermächtigte Einstein in einer kurzen Mitteilung, seinen Brief an The New York Times in jeder Form zu verbreiten. Einsteins Antwort an Russel vom 28. Juni 1953:

Sie haben durch Ihren feinen Brief an The New York Times der guten Sache einen guten Dienst geleistet. Die Intellektuellen bis zu den jüngsten Studenten sind völlig eingeschüchtert. Außer Ihnen hat sich kaum ein „Prominenter“ energisch für die Bekämpfung des Unfugs eingesetzt, der von den Politikern getrieben wird. Diese fühlen sich deshalb so stark, weil sie der Masse erfolgreich eingeredet haben, dass die Russen und die hiesigen Kommunisten das Vaterland in Gefahr gebracht hätten. Je toller sie es treiben, desto sicherer glauben sie, von der irregeleiteten Menge wiedergewählt zu werden. Damit hängt es auch zusammen, dass Eisenhower nicht gewagt hat die beiden Rosenbergs zu begnadigen, obwohl er wusste, wie sehr diese Hinrichtung das Ansehen Amerikas im Ausland schädigen würde…1)

Auch später sprach Einstein sich wiederholt über die Rolle jeder einzelnen Person in der modernen Gesellschaft aus. Besonders interessant ist seine Erklärung an das Emergency Civil Liberties Committee (Notstandskomitee für Bürgerrechte), die seine in dem Brief an Frauenglass dargelegten grundsätzlichen Anschauungen ausführlicher entwickelt.

Anlässlich des 75. Geburtstag Einsteins (14. März 1954) hielt das Komitee am Vorabend in Princeton eine Tagung unter dem Thema „die Bedeutung der akademischen Freiheit“. Einstein nahm daran nicht teil. Sogar einen Blumengruß lehnte er mit den Worten ab: „Sie dürfen mir Blumen zur Tür bringen, sobald die letzte ‚Hexenverfolgung‘ zu Ende ist, aber nicht vorher.“ Das Komitee richtete an Einstein eine Reihe von Fragen, die er in den folgenden, vielzitierten Äußerungen, beantwortete:

Frage: Was ist das Wesen der akademischen Freiheit? Warum ist sie zur Erforschung der Wahrheit nötig?

Einstein: Unter ‚Akademischer Freiheit‘ verstehe ich das Recht, nach der Wahrheit zu suchen und das für wahr Gehaltenen zu publizieren und zu lehren. Mit diesem Recht ist auch eine Pflicht verbunden, nämlich, nicht einen Teil des als wahr erkannten zu verschweigen. Es ist klar, dass jede Einschränkung der Akademischen Freiheit dahin wirkt, die Verbreitung der Erkenntnis unter den Menschen zu behindern und dadurch vernünftiges Urteilen und Handeln zu erschweren.

Frage: Welche Bedrohungen der akademischen Freiheit sehen Sie zurzeit?

Einstein: Die Bedrohung der Akademischen Freiheit in unserer Zeit liegt darin, dass unter dem Vorwande, dass das Land von außen bedroht sei, Lehrfreiheit, gegenseitiger Austausch von Meinungen und freie Publizistik beeinträchtigt, beziehungsweise unterdrückt werden. Dies geschieht durch Schaffung einer Situation, in der sich jeder in seiner ökonomischen Situation bedroht fühlt. Die Folge ist, dass mehr und mehr Menschen es vermeiden, ihr Ansichten offen auszusprechen, selbst nicht im privaten geselligen Leben. Es ist ein Zustand, in dem eine demokratische Republik auf die Dauer nicht bestehen kann

Albert Einstein Frieden Copyright 2004 Albert Einstein Archives, Hebrew University of Jerusalem, Israel Copyright 2004 Abraham Melzer Verlag, Neu-Isenburg; Sonderausgabe für Parkland Verlag Köln 2004; S. 548, 549.

1)Ethel und Julius Rosenberg waren ein wegen Spionage verurteiltes und hingerichtetes US-amerikanisches Ehepaar. Ihr Strafprozess erregte Anfang der 1950er Jahre (McCarthy Ära) weltweites Aufsehen. Ihnen wurde als Zivilpersonen Rüstungsspionage für die Sowjetunion vorgeworfen. Spätere Aussagen und freigegebene Dokumente aus den Archiven der Sowjetunion deuten darauf hin, dass die Vorwürfe der Rüstungsspionage gegen Julius Rosenberg berechtigt waren, seine Spionage jedoch nicht maßgeblich zur Entwicklung der sowjetischen Atombombe beitrug.

Ethel Rosenberg war lediglich eine ideologisch treue Mitwisserin. Ihr Bruder David Greenglass belastete sie, um einer schweren Strafe wegen seiner eigenen bedeutenden Spionagetätigkeit für das Sowjetische Atombombenprojekt zu entgehen. Trotz heftiger nationaler und internationaler Proteste, u. a. von Papst Pius XII., Jean-Paul Sartre, Albert Einstein, Pablo Picasso, Fritz Lang, Bertolt Brecht und Frida Kahlo, wurden beide am 5. April 1951 zum Tode verurteilt und am 19. Juni 1953 im Staatsgefängnis Sing Sing in New York auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.