Albert Einstein 14

Frühstücksrunde am Sonntagvormittag

Am Sonntag, den 20. November 2016 um 10:00 Uhr im Naturfreundehaus Mörfelden-Walldorf Seminarraum 1. Etage

Die Lichtgeschwindigkeit

„Galilei hatte mit den technischen Experimentierbehelfen auf die er noch angewiesen war wenig Aussicht, die Lichtgeschwindigkeit tatsächlich auf die geschilderte Art zu finden. Hätte er auch mit einem Abstand von nur einem Kilometer arbeiten wollen, so hätte er Zeitintervalle von der Größenordnung einer hunderttausendstel Sekunde messen müssen!

Galilei hat das Problem der Lichtgeschwindigkeitsbestimmung zwar formuliert, doch vermochte er es nicht zu lösen. Allerdings kommt es auf die Problemstellung häufig mehr an als auf die eigentliche Lösung, die manchmal nur Sache der mathematischen und experimentellen Routine ist. Das Anschneiden neuer Fragen, die Erschließung neuer Möglichkeiten, das Aufrollen alter Probleme von einer anderen Seite her – das sind Aufgaben für einen schöpferischen Geist, das ist der wahre wissenschaftliche Fortschritt. Das Trägheitsprinzip und das Gesetz von der Erhaltung der Energie haben wir einzig und allein neuen, originellen Gedanken zu an sich längst bekannten Experimenten und Phänomenen zu verdanken. Im Folgenden werden uns noch zahlreiche Fälle dieser Art begegnen, Fälle, bei denen wir immer wieder darauf hinweisen werden, wie wichtig es ist, bekannte Gesetzmäßigkeiten neu zu beleuchten, wenn wir neue Theorien entwickeln wollen.

Kehren wir zu der noch verhältnismäßig einfachen Frage der Lichtgeschwindigkeitsbestimmung zurück, so müssen wir uns eigentlich Fragen, warum Galilei nicht darauf gekommen ist, dass sich sein Experiment von einem Mann allein viel einfacher und exakter durchführen lässt. Statt in einer gewissen Entfernung einen Kollegen zu postieren, hätte er dort einfach einen Spiegel aufstellen können, der das Signal ja automatisch zurücksendet, sowie er es aufgenommen hat.

Dieses so überaus einfachen Prinzips bediente sich etwa 250 Jahre später Fizeau, der die Lichtgeschwindigkeit als erster mit terrestrischen Behelfen bearbeitete, wenn Römer sie auch schon viel früher, allerdings weniger genau, nach astronomischen Beobachtungen bestimmt hatte.

Es leuchtet durchaus ein, dass sich die Lichtgeschwindigkeit in Anbetracht ihrer enormen Größe nur unter Zugrundelegung von Entfernungen, wie sie etwa durch die Abstände zwischen der Erde und anderen Planeten des Sonnensystems gegeben sind, oder aber mit einer äußerst raffinierten Experimentiertechnik messen lässt. Des ersten Verfahrens bediente sich Römer, das zweite wandte Fizeau an. Seither ist der so überaus wichtige Wert der Lichtgeschwindigkeit des Öfteren, und jedes Mal mit größerer Exaktheit, bestimmt worden. In unserem Jahrhundert entsann Michelson hierfür ein hochgradig verfeinertes Verfahren. Das Ergebnis aller dieser Versuche lässt sich in wenige einfache Worte und Zahlen fassen: Die Lichtgeschwindigkeit beträgt im Vakuum annäherungsweise 300 000 Kilometer pro Sekunde.“

Albert Einstein Leopold Infeld „Die Evolution der Physik“ Anaconda Verlag Köln 2014. S. 105 – 106. Titel er amerikanischen Originalausgabe: The Evolution of Physics, New York 1938.

 

Einblicke in die Thematik vermitteln und die Diskussionsreihe leiten wird Ernst Knöß[1]. Die weiteren Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Eingeladen sind alle Menschen guten Willens, die einen anregenden Sonntagmorgen genießen wollen.

Auskünfte zum Thema und zur Veranstaltung erteilt: Ernst Knöß, Schubertstraße 9, 64546 Mörfelden-Walldorf. Tel.: 06105-26578, E-mail: ernst.knoess@googlemail.com; Besuchen Sie auch unsere Webseite: www.naturfreunde-moerfelden-walldorf.de  


[1] Ernst Knöß (Diplomvolkswirt) geb. 1950 studierte Gesellschaftswissenschaften in Berlin (Schwerpunkt Philosophie). Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main. Außerdem Studien in Kernchemie (TU-Darmstadt) und der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main.