Gute Idee: in Projektform arbeiten

Jedes Projekt beginnt mit der Auswahl eines Themas, dem man sich intensiv über einen bestimmten Zeitraum zuwenden möchte. Bei uns in Mörfelden-Walldorf trifft sich dazu der Vorstand und wählt nach dem Kriterium „politisch-naturfreundlich“ geeignete Sachverhalte aus. Das können auch unmittelbar anstehende Probleme sein, beispielsweise mit dem Naturfreundehaus. Unser aktuellstes Projekt ist ein Natura Trail, ein Rundwanderweg durch ein geschütztes Flora-Fauna-Habitat in Mörfelden-Walldorf, im Rahmen eines übergeordneten Projekts des Landesverbands Hessen, an dem sich mehrere Ortsgruppen beteiligen.

Projekte sind themenbezogen. Sie haben den Vorteil, dass sich nicht notwendigerweise alle Mitglieder an ihnen beteiligen müssen. Dadurch ist es möglich, mehrere Projekte gleichzeitig durchzuführen und unterschiedliche Interessen anzusprechen. Und es fällt leichter, Menschen gemäß ihrer Stärken und Neigungen in die Umsetzung einzubeziehen. Bei uns werden beispielsweise neben dem Natura Trail eine literarisch-philosophische Frühstücksrunde und ein Sommerfest geplant und unser Campingplatz saniert. Das ist nur möglich, weil wir uns aufteilen.

Egal, ob es sich um ein Projekt handelt, welches sich an die eigenen Mitglieder wendet oder eines, das die Öffentlichkeit miteinbezieht: Projekte erfordern Klarheit über die zu leistende Arbeit, die anfallenden Kosten und den Zeitplan. In der Umsetzung muss es aber auch Raum und Flexibilität geben. Zum Beispiel ist bei unserem Natura Trail vorgesehen, dass die hessische Ministerin Frau Priska Hinz (ihr Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt das Projekt) am 11. September 2016 den ersten Rundweg für Hessen eröffnen wird – aller Voraussicht nach wird das unserer sein. Ob das letztendlich klappt, wir den Weg rechtzeitig fertig bekommen und die Ministerin tatsächlich erscheint, werden wir sehen. Aber der Termin steht – auf alles weitere reagieren wir flexibel.

Ganz wichtig ist eine klare Einschätzung der Kräfte und die Formulierung erreichbarer Ziele: sich konkrete Aufgaben zu stellen, die konstruktiv angegangen werden können und die mit den vorhandenen Energien zu bewältigen sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr sinnvoll ist, ein Projekt zu strukturieren, also zielorientiert einzelne Schritte zu formulieren, die logisch aufeinander aufbauen. Insbesondere bei umfangreicheren Projekten sollten Teilaufgaben vergeben und dabei natürlich die Interessen und Talente der Mitwirkenden berücksichtigt werden. Wichtig ist, vorher zu klären, wieviel Zeit und Energie von den Beteiligten überhaupt investiert werden kann, um leistbare „Arbeitspakete“ zusammenzuschnüren.

Es klingt selbstverständlich, ist aber tatsächlich oft ein Grund, warum Projekte erfolglos bleiben: Damit man zu einer Lösung kommen kann, sollte man vorher genau wissen, was man erreichen will. In die Unendlichkeit projizierte, utopische Zielvorstellungen stellen insofern keine Projekte dar. Mit einem klar definierten Ergebnishorizont aber wird das Ziel greif- und der Weg überschaubar. Zeitlich muss das Projekt nicht unbedingt genau festgelegt sein, einen groben Zeitrahmen aber sollte es geben. Jedes Projekt wird irgendwann abgeschlossen, um idealerweise Platz zu machen für andere, neue Themen und Inhalte.

Übrigens: Nichtmitglieder sind nicht nur Zielgruppe unserer Aktivitäten, sondern sie können im Rahmen von Projektarbeit auch konkret eingebunden werden. Durch die gemeinsame Projektarbeit lernen wir sie mit ihren Stärken und Schwächen, Auffassungen und Erfahrungen kennen. Und eventuell bleibt der eine oder die andere als neues Mitglied bei uns.

Ernst Knöß
Vorsitzender der NaturFreunde Mörfelden-Walldorf